PCO-Syndrom: Welche Therapien helfen?

Das sogenannte PCO-Syndrom führt zu Zyklusstörungen bei der Frau bis hin zum Ausbleiben des Eisprungs. Mehr Informationen gibt es im Theorie-Teil dieser Seite.

Konsensus-Papier der PCOS Consensus Workshop Group

Kürzlich hatten wir hier in den News ja ein sogenanntes “Konsensus-Papier” vorgestellt, in dem namhafte europäische und amerikanische Wissenschaftler anhand der aktuellen Studienlage die sinnvollste Vorgehensweise zur Behandlung des PCO-Syndroms herausgearbeitet hatten.



In den Kommentaren zu diesem Artikel wurde hinterfragt, ob die Gabe von Metformin dort nicht unterbewertet sei und wenn ich ehrlich bin, decken sich die Empfehlungen des Konsensus-Papiers auch nicht mit meinen eigenen Erfahrungen und Vorgehensweisen, da ich hier dem Metformin auch einen höheren Stellenwert einräumen würde. Aber würde man sich trauen, der versammelten Professorenschaft, die hinter diesen Empfehlungen steckt, offensiv gegenüberzutreten, nur weil man nach der Behandlung von ein paar hundert PCO-Patientinnen andere Erfahrungen gemacht hat?

Schon deswegen nicht, weil diese persönlichen Erfahrungen für einen selbst und auch für seine Patientinnen wertvoll sind, jedoch letztlich keine Beweiskraft haben, wie ich in einem anderen Artikel zur “Evidence based medicine” bereits ausgeführt habe.

Trotzdem gibt es immer mehrere Meinungen und Sichtweisen zu bestimmten medizinischen Themen, wie ich kürzlich hier darlegte. Sicherlich für den Laien eine unbefriedigende Situation, aber auch für den Arzt, der in der Materie steckt nicht unbedingt viel befriedigender.

Andere Ergebnisse und auch evidence based

Wenn man die aktuellen Studien zur Behandung des PCO-Syndroms sichtet und sich diejenigen heraussucht, die sich der Therapie mit Metformin widmen, dann kann man durchaus auch zu anderen Ergebnissen kommen, wie eine aktuelle Veröffentlichung italienischer Wissenschaftler zeigt.

Die Autoren dieser Veröffentlichung haben die aktuellen Studien (Metaanalysen (=Zusammenfassung mehrere Studien) und kontrollierte Studien (mehr dazu hier) zu diesem Thema gesichtet und bewertet.

Der Schwerpunkt der Studien lag dabei auf Untersuchungen, die Metformin als Erst- oder Zweittherapie des PCO-Syndroms untersuchten, mit oder ohne zusätzliche Medikamente zur hormonellen Stimulation der Eierstöcke.

Zusammengefasst sind dies die Ergebnisse der Untersuchung:

  • Auch hier wird als erste Therapieoption bei PCO die Gabe von Clomifen empfohlen
  • Die Fähigkeit des Metformins, bei Frauen ohne einen Eisprung wieder reguläre Zyklen mit Ovulationen herbeizuführen ist beweisbar
  • Bei ausbleibender Wirkung des Clomifens wird im Konsensus-Papier als zweiter Schritt entweder die Verabreichung von Spritzen (Gonadotropinen) oder die sogenannte Stichelung der Eierstöcke empfohlen. Die Autoren dieser Studie sprechen sich explizit dagegen aus und empfehlen die Gabe von Metformin an dieser Stelle, da es billiger, risikoärmer und effektiver als diese Methode ist.
  • Wenn Gonadotropine gegeben werden (Behandlung mit Spritzen), dann kann die gleichzeitige Gabe von Metformin die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass keine Überreaktion der Eierstöcke auftritt und sich nur eine Eizelle bildet. Und dadurch naturgemäß ein geringeres Mehrlingsrisiko
  • Wird Metformin bei einer künstlichen Befruchtung zusäztlich gegeben, vermindert man damit die Gefahr eines Überstimulationssyndroms bei PCO-Patientinnen

Diese Ergebnisse sind nicht grundsätzlich anders als die des Konsensus-Papiers, jedoch ist der Stellenwert des Metformins aus Sicht der italienischen Wissenschaftler höher einzuschätzen.


Palomba S, Oppedisano R, Tolino A, Orio F, Zullo F
Outlook: Metformin use in infertile patients with polycystic ovary syndrome: an evidence-based overview.
Reprod Biomed Online. 2008 Mar;16(3):327-35.


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Autor Dr. Elmar Breitbach: persönliche Homepage | XING | Facebook | Twitter




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