Greenpeace: Umweltgifte sind schuld

Die Umweltorganisation Greenpeace sieht noch andere Gründe für einen Rückgang der Geburtenraten in Deutschland und gibt einer zunehmenden Belastung der Umwelt mit Giftstoffen die Schuld.

„Die Regierung beklagt, dass in Deutschland zu wenig Kinder geboren werden. Aber sie unternimmt viel zu wenig gegen die chemischen Gefahren für die Fortpflanzung und scheut vor der Industrie zurück“, sagt Chemieexpertin Ulrike Kallee von Greenpeace. „Es ist kriminell, Chemikalien in Verbraucherprodukten einzusetzen, die das Kind im Mutterleib schädigen oder zu Krebs führen können.“

Nach der neuen Studie „Our reproductive health and chemical exposure“ („Fruchtbarkeit und Chemikalienbelastung“) habe die Qualität der männlichen Spermien in den letzten fünfzig Jahren rapide abgenommen. Auch Hodenkrebs werde immer häufiger diagnostiziert. Die Anzahl von Missbildungen der Geschlechtsorgane bei Neugeborenen nehme stetig zu. Mehr als doppelt so viele Paare als noch in den sechziger Jahren bleiben ungewollt kinderlos.

Diese Argumentation ist natürlich sehr monothematisch und erinnert an die Argumentationen von uns Reproduktionsmedizinern, wenn wir den Rückgang der Geburtenrate ausschließlich auf die neue Kostensituation seit dem 1.1.2004 zurückführen, der die Patienten durch zusätzliche Kosten in Form einer 50%igen Eigenbeteiligung belastet.

Schätzungsweise 100.000 Chemikalien werden weltweit produziert. „Die meisten Chemikalien wurden nie auf ihre gesundheitlichen Auswirkungen geprüft. Trotzdem werden sie in großen Mengen in Produkten eingesetzt, die man im Supermarktregal oder im Badezimmerschrank
findet. Die Politiker müssen die chemische Industrie endlich zur Räson bringen“, fordert Kallee.

Die seit längerem umstrittene europäische Chemikalienverordnung REACH (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien) bietet die Chance, Männer und Frauen besser vor fruchtbarkeitsschädigenden Stoffen zu schützen, so die Presserklärung von Greenpeace.

Die REACH-Verordnung der EU soll zukünftig die Herstellung und Verwendung von Chemikalien regeln. REACH könnte die Belastung mit einigen der gefährlichsten Chemikalien verringern, wenn diese – wie vom Europaparlament im November 2005 entschieden – durch weniger gefährliche Alternativen ersetzt werden müssten. Die Minister im EU-Wettbewerbsrat hatten sich Ende letzten Jahres gegen eine solche Regelung ausgesprochen. Im Oktober 2006 wird REACH in zweiter Lesung im Europaparlament verhandelt.

[Via: Presseportal]

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Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig.

Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.net.

3 Gedanken zu „Greenpeace: Umweltgifte sind schuld“

  1. schön daß diese Erkenntnisse jetzt auch in den Kreisen angekommen zu sein scheinen…auch wenn ich den ideologisch nahestehenden Politikern, die seinerzeit an der Gesundheitsdeform beteiligt waren und so geschmeidige Meditations- und Psychotipps abgesondert haben, immer noch nicht ganz über den Weg traue und etwas gram bin :-).

    Ist es nicht diese REACH-Sache, die leider auch mit einem erheblich hohen Einsatz von Laborversuchen an Tieren einher geht :-(?

    LG Reaba

  2. Letzlich liegt es auch am Verbraucher. Woher kommt das immer größere Angebot an sog. convinient food? Doch sicher auch von der Nachfrage hiervon. Warum ist es nicht mehr zeitgemäß, sich für essen machen und verzehren Zeit zu nehmen? Man muß sich sicherlich nicht ausschließlich aus dem Bioladen ernähren. Ich bin auch kein Öko. Aber es gibt inzwischen Kinder, die verwundert sind, dass Rotkohl nicht im Glas wächst und nicht wissen dass Grießbrei als nicht Instant-Produkt eigentlich länger kochen muss als dass, was viele als Kipp-Schütt-Produkt kennen.

    Es liegt an uns unseren Kindern beizubringen, dass die Essenszubereitung auch Spaß machen kann und nicht nur Arbeit ist.

    Als ich das erkannt habe war ich froh, dass meine Oma noch lebte, die mir dieses Wissen weitergeben konnte.

  3. Das ist ja auch ein Grund, den ich gern immer wieder anführe, wenn es um die Kostendiskussion geht. Verursacher für die Unfruchtbarkeit ist – zumindest in einem Teil der Fälle – die gesamte Gesellschaft, die Umweltgifte prodiziert. Ja, dann sollen sich auch ALLE dafür verantwortlich zeigen. Warum soll z.B. der Tankwart (eine Berufsgruppe, die z.B. in stärkerem Maß betroffen ist) seine ICSI nicht von all den Autofahrern bezahlt bekommen, die ihm täglich ihre Abgase unter die Nase wehen lassen?

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