Welche Medikamente haben Einfluss auf das Zervikalsekret?

Das Gebärmutterhalssekret ändert seine Beschaffenheit in Abhängigkeit vom Zyklus. Der heranreifende Follikel bildet Östrogene und mit steigendem Östrogenspiegel wird das Sekret flüssiger, um kurz vor dem Eisprung eine Konsistenz wie rohes Eiweiß aufzuweisen. Dies macht man sich im Rahmen der natürlichen Familienplanung zur Bestimmung des Eisprungs zunutze. In unserem Zyklusforum werden diese Beobachtungen (in Zusammenschau mit den Temperaturmessungen) täglich diskutiert. Meist wird dann nicht von „Sekret“, sondern ganz banal von „Schleim“ oder „Zervix“ geschrieben.

Erste Hürde für die Spermien

Die Konsistenz ist nicht unwichtig, da die Spermien durch das Sekret des Gebärmutterhalses schwimmen müssen, um in die Gebärmutter und die Eileiter zu gelangen, wo die befruchtungsfähige Eizelle wartet. Änderungen des Gebärmutterhalssekrets können also die Bestimmung des Eisprungs erschweren und den Spermien den Weg in die Gebärmutter.

Gibt es Medikamente, die das Sekret beeinflussen?

Die Konsistenz des Gebärmutterhalssekrets kurz vor dem Eisprung entspricht rohem Eiweß
Die Konsistenz des Gebärmutterhalssekrets kurz vor dem Eisprung entspricht rohem Eiweiß
Leider gibt es dazu nur wenige Studien und daher auch einige Aussagen, die wissenschaftlich nur schwer zu belegen sind. Fangen wir aber mit dem Medikament an, welches einen sicher nachweisbaren Einfluss auf die Konsistenz des Schleims haben: Östrogene haben einen positiven Einfluss darauf, wie das natürliche Hormon auch. Daher wird gelegentlich versucht, durch Gabe von Östradiol (Estrifam, Progynova), die Empfängnisbereitschaft zu erhöhen. Nach dem Eisprung wird die Beschaffenheit des Sekrets wieder zähflüssig bis fest. Dies ist die Wirkung des Gelbkörperhormons Progesteron, welches nach dem Eisprung gebildet wird. Progesteronhaltige Medikamente haben daher einen negativen Einfluss auf die zervikale Fruchtbarkeit der Frau.

Clomifen wird oft zur Stimulation der Eierstöcke gegeben. Es hat paradoxerweise eine antiöstrogene Wirkung vor allem an der Gebärmutterschleimhaut und an deren Sekreten. Das ist nicht bei allen Frauen der Fall, ist aber eine der häufigsten Nebenwirkungen des Medikaments.

Die Medikamente, die FSH enthalten (Puregon, Gonal, Elonva, Pergoveris, Menogon) und die Eierstöcke ebenfalls zu vermehrter Aktivität anregen, haben diese Nebenwirkungen nicht und wirken direkt auf die Eierstockfunktion.

Nichthormonelle Medikamente

Immer mal wieder wird der Hinweis gegeben, Hustensäfte wären in der Lage, die Konsistenz des Sekrets positiv zu verändern. Pauschal ist das sicherlich falsch und die Datenlage dazu ist dünn. Aber es scheint Hinweise zu geben, Hustensäfte mit dem Wirkstoff Guaifenesin könnten den Zervixschleim verflüssigen. Enthalten ist es z. B. im Wick-Hustenlöser. Auch Acetylcystein wird diese Wirkung nachgesagt. Diese Medikamente sind vor allem in den USA sehr beliebt und werden in den dortigen Foren zur natürlichen Familienplanung immer wieder empfohlen. Die Idee dahinter: Das Sekret in den Bronchien wird dadurch verflüssigt und daher muss dies wohl auch bei anderen Sekreten der Fall sein. Wenn aber ein Forenbeitrag vom nächsten diese Empfehlungen abschreibt, ist das sicherlich kein Beweis und wissenschaftliche Artikel dazu existieren nicht.

Antihistaminika sind Mittel, welche bei Allergien eingesetzt werden, wird analog zu den Hustenmitteln ein gegenteiliger Effekt zugeschrieben. Da es bei dem Allergieschnupfengeplagten zu einer Verbesserung der Symptome führt und die Schleimhäute demzufolge trockener sind als zuvor, geht man in den o. g. Foren davon aus, dieser Effekt wäre dann im ganzen Körper nachzuweisen, mithin auch am Gebärmutterhals und seinem Sekret.

Diese Medikamente wirken jedoch sehr spezifisch über die H1-Rezeptoren, an denen das Histamin bindet und seine Wirkung (nämlich die allergische Reaktion) vermittelt. Es handelt sich also hier mitnichten um ein generelles Austrocknen der Schleimhäute, sondern um eine sehr spezifische Unterdrückung der histaminvermittelten allergischen Reaktion. Auch hier gibt es keine wissenschaftlichen Belege für die Wirkung am Gebärmutterhals und vom Wirkmechanismus auch pharmakologisch keinen herstellbaren Zusammenhang. Vermutlich handelt es sich hier um einen Mythos, der wie viele andere dadurch entstand, dass einer vom anderen abgeschrieben hat.

Foto von stevendepolo

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Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig.

Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.net.

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